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EING, Wilfried

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Wilfried Eing
Geb. 1939 in Osterwick/Kreis Coesfeld. Studium der Pädagogik in Osnabrück und Studium der Kunst bei Prof. Martin und bei Prof. Pfennig (Oldenburg). Realschullehrer in Meppen. Fächer: Deutsch, Kunst, Musik. Besonderes Engagement für das Theater in der Schule (37 Theaterstücke).15jährige Erfahrung im Praktizieren des freien Gestaltens im Kunstunterricht. Langjähriges Klavierstudium bei Amedeo Reggiani – Sizilien. Danach eigenes Weiterentwickeln. Seit 2001 freischaffender Maler.

Der Weg nach innen - ein Statement
Mit diesem Titel eines seiner Bilder lässt sich am besten die künstlerische Entwicklung von Wilfried Eing nachvollziehen. Diese Welt war nie sein Zuhause - wie er von sich sagt. Er musste jenen Signalen folgen, die aus einer verletzten oder in Liebe erschütterten Innerlichkeit kamen und ihn dazu bestimmten, nach einer tieferen Wahrheit, einer anderen Wirklichkeit zu suchen.

Wir haben die Kunst, um nicht an der Wahrheit zugrunde zu gehen, habe Nietzsche einmal gesagt. Dieser Aussage Nietzsches wider- spricht Eing, denn richtiger sei wohl : Wir brauchen jene Wahrheit, die die Tiefe der Kunst uns vermitteln kann, um jenen Sinn zu finden, der über diese Welt hinaus weist . Er verweist auf Beethoven. Wer habe ihn schon verstanden in seiner Aussage Musik sei höhere Offenba- rung als alle Weisheit und Philosophie ? Wer habe seine Musik, die Musik überhaupt in diesem Sinne verstanden?

Eing schrieb in seinem Studium eine wissenschaftliche Arbeit über die Entwicklung der rhythmisch – dynamischen Struktur im Werk von van Gogh. Die Nachwelt habe van Gogh inzwischen als Vater des Expressionismus begriffen. Überhaupt sei mit ihm über die Sichtweise des Impressionismus hinaus der Weg aus der Naturbefangenheit in tiefere existentielle Erfahrungen beschritten worden. Sein Weg, von Leidenschaft und Liebe getrieben, habe ihn zur Auflösung der materiellen Wirklichkeit geführt, habe der Kunst ganz neue Möglichkeiten geöffnet. Sein Weg war letztlich Religion.

Bei Eing öffnete die Darstellung der Frau seinen Weg in die Innerlichkeit. Er habe sie in seinen Darstellungen eine lange Zeit zu sehr idea- lisiert, ließ einmal ein damaliger Mitstudent ihm gegenüber verlauten. Heute weiß er, dass die Darstellung der Frau eine Brücke darstellt in seinem Weg nach innen. Dabei hat Eing die Welt des Grotesken in seinen Bildern ausgeklammert, obwohl ihm bewusst ist , dass in ihm dämonische Kräfte vorhanden und bei jeder Gestaltung aktiv beteiligt sind. Er glaubt aber auch, dass das Dämonische nicht den tieferen Kern seines Wesens ausmacht. Mozart habe einmal über sich selbst gesagt, er sei ein ordinärer Mensch, aber seine Musik sei es nicht. - Eings Frauen erscheinen oft überirdisch, inmateriell, vielleicht gereinigt.

Schwer nachvollziehbar – auch auf Grund der Dichte der Darstellung – sind die Ereignisse und Erfahrungen, die bei Eing zu großen Bewusstseinsveränderungen führten. Er gab die ihm anerzogene Leib-Seele Einheit auf, weil ihm bewusst geworden war, dass ihm sein Körper und auch seine Gefühle und sein Denken nur Instrumente seiner selbst sind und einem tieferen Wollen und einem tieferen Schöp- fungsauftrag folgten. Ihm wurde auch bewusst, dass Raum und Zeit nur Befähigungen des Bewusstseins sind und niemals Befähigungen der Materie. Das Erleben, die Wahrnehmung von Licht beispielsweise setzt nach seiner Auffassung voraus, dass ein Organismus vorhan- den ist, der diese materielle Einwirkungen in Raum und Zeit umzusetzen vermag, und zwar dadurch, dass diese materiellen Lichteinwir- kungen in Denk- und Gefühlsabläufe, in Gedächtnis- und geistige Beziehungsabläufe umgesetzt werden.Vielleicht komme die Physik einmal auf die Idee, die Geschwindigkeit dieses Prozesses zu messen, meint er leicht ironisch.

Das Licht,so wie wir es kennen, ist ihm also mehr ein psychisches Licht, ein in das Bewusstsein gehobenes materielles Licht. Er folgert weiter, dass die gesamte materielle Wirklichkeit, die wir wahrnehmen, eine für das Bewusstsein durch Raum und Zeit aufbereitete Wirklichkeit ist. Selbst die ungeheuren Weiten des Universums, selbst die ungeheuren Massen aller Sterne darin vermögen nur durch das menschliche Bewusstsein diese Räume, diese Zeiten gewinnen. Schlagartig sei für ihn für damit klar geworden, welche beinahe unfass- baren Befähigungen der Mensch besitzt.“Der Mensch ist das größte Wunder. Für ihn müsse man das Wort Wunder neu erfinden“, sagt Eing.

Eine weitere Bewusstseinsveränderung erlebte Eing nach einer Blasenoperation mit bitteren Folgen. Kein Arzt, den er aufsuchte, vermochte ihm die unerträglichen Schmerzen in der Hüftgegend zu nehmen. Eing suchte sich selbst zu helfen, indem er wohl über 2 Jahre eigene Übungen an seinem Körper vollzog , dabei Strömungen studierte, lenkte, gleichsam wie er seine Übungen am Klavier vollzog. Er entdeckte immer wieder Neues an seinem, in seinem Körper. Seine Schmerzen hat er inzwischen besiegt.

Wesentlicher für ihn war folgendes Erlebnis: Als er nach einer Übung vom Boden aufstand, fühlte er ein ganz starkes Strömen in seinem Kopf, das sich leicht nach unten bewegte. An einem schwer lokalisierbaren Punkt unterhalb des Kopfes kam diese Bewegung zur Ruhe. Er begann von diesem neuen Punkt aus zu denken, zu fühlen . Verblüfft stellte er fest: Das Gehirn war ihm nicht mehr das Zentrum. Das ganze Bewusstsein hatte sich nach unten verlagert, das ganze Gedächtnis war mit gewandert. Als Eing seine großen Bilder betrachtete , seien diese von seinem neuen Zentrum aus fast stürmisch aufgesogen worden. Ihm war, als würde Zeit das Eigentliche sein ,was von der neuen Innerlichkeit aufgesogen wurde.

Eing entwickelte später vorsichtig die These, als bewege sich die Zeit immer auf eine absolute zeitlose Gegenwart zu. Seit dieser Begebenheit hat Eing aber das sichere Gefühl , er selbst und ständig auf eine innere Gegenwart bezogen zu sein. Gegenwart ist für ihn jetzt immer bewusst gegenwärtig und braucht nicht mühselig und vergeblich in der Außenwelt gesucht und fixiert werden.

Eing sieht in dem Weg nach innen die zukünftige Vision des Menschen und darin die Möglichkeit, eine tiefere Erfahrung seiner Bestimmung zu finden .Dieser Weg kann für ihn zugleich eine große Befreiung aus der Gefangenschaft ,der Enge seiner materiellen Wirklichkeit werden, die nur Macht und Anbetung, Geld und Besitz , Rausch und irdisches Paradies will und dabei ellenbogenmäßig in die eigene Leere treibt .Der Urknall wird nicht die Antwort auf den Sinn unserer Existenz geben können. Für Eing gilt,was der Sänger Wolf Biermann einmal sagte : „Wer das Paradies auf Erden will, wird in der Hölle enden“. Für Eing gilt: Wir leben nicht in dieser Welt, sondern die Welt lebt in uns und durch uns.
 

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